Magazin
Die Crème de la Vin - Verkostung zu Cape Winemakers Guild-Auktion in Wiesbaden
20. September 2006
Zu den Höhepunkten im südafrikanischen Weinkalender gehört die jährliche Auktion der renommierten Cape Winemakers Guild (CWG). In dieser Winzergilde sind die besten Winzer des Landes vereint und produzieren für die alljährlichen Auktionen besonders hochwertige Versionen ihrer ohnehin bereits erstklassigen Weine.
Im Vorfeld der Auktionen finden in Kapstadt und Johannesburg so genannte „Pre-Auction-Tastings“ statt, also Verkostungen, bei dem sich potentielle Bieter und die Presse ein Bild von den Weinen machen können. Erstmals in der 24-jährigen Geschichte der Gilde fand eine solche Vorverkostung auch in Deutschland statt.
Die stets engagierte Petra Mayer von der deutschen Niederlassung des südafrikanischen Weininformationsbüro WoSA (Wines of South Africa), brachte zusammen mit den einzigen beiden deutschen Cape Wine Master Peter Gebler und Ginette de Fleuriot sämtliche Weine der 2006er Auktion nach Deutschland. Zwei Winzer der Gilde, Jeremy Walker von Grangehurst und David Trafford von De Trafford, kamen gleich mit nach Deutschland und stellten sämtliche Weine persönlich vor. Für das nötige Fachwissen war also gesorgt.
Die Verkostung fand am 5. September im Wiesbadener Luxushotel Nassauer Hof statt. Nachdem am Vormittag die Weine im Rahmen einer geführten Verkostung vorgestellt wurden, konnten die Fachbesucher die Tropfen am Nachmittag in aller Ruhe noch einmal probieren. Das Ambiente war edel und die versprochen „kleinen Häppchen“ stellten sich als vollwertiges Buffet im hohen Stil eines Luxushotels heraus. Hierzu wurden ebenfalls südafrikanische Weine gereicht, die mit Namen wie „Vergelegen Sauvignon Blanc“ oder „Glen Carlou Chardonnay“ an sich schon Highlights waren. Jeder Besucher erhielt ein Namenschild, wodurch der kleine Rahmen der Veranstaltung noch persönlicher wurde.
Verkostet werden konnten alle 39 Weine der diesjährigen Auktion, davon 28 Rotweine, sechs Weißweine, vier Dessertweine und ein Schaumwein. Darüber hinaus wurden einige Weine früherer Auktionen vorgestellt, um das Reifepotential der CWG-Weine zu zeigen.
Sämtliche Weine präsentierten sich in erstaunlich hoher Qualität. Es gab keine groben Ausfälle, was aber auch nicht zu erwarten war. Der Grund hierfür ist, dass alle Weine der Guilde von einer Winzer-Jury verkostet werden, bevor sie für in die Auktion gehen. Mit wenigen Ausnahmen zeigten sämtliche Weine eine Qualität von mindestens 4*, was mehr als 85 Punkten entspricht.
Besonders beeindruckend war die große Stil-Bandbreite der vorgestellten Shiraz. Diese reichte von den animalisch-würzigen, herzhaften Weinen im Rhône-Stil bis hin zu den süßen, fruchtbeladenen Weinen im Stil australischer Shiraz. Dabei zeigten sie sich ebenfalls in verschiedenen Reifestadien. So war etwa der Neil Ellis Auction Reserve Syrah 2003 bereits herrlich trinkbar und sollte dieses Stadium auch über die nächsten Jahre halten können. Ganz anders der ebenfalls hochwertige Luddite Dos Años Shiraz 2004, der noch etwas verschlossen war, jedoch bereits im Kern den Ansatz von künftiger Größe zeigte.
Bei den Weißweinen konnte der Jordan Chardonnay Reserve 2005 besonders überzeugen. Der Wein ist erkennbar ein Barrique-Chardonnay, verfügt aber über eine herausragende Balance aus Frucht und Würze. Am Gaumen kommen mineralische Noten und feinste Würznoten hinzu. Die Länge ist schlichtweg superb und das Gleichgewicht in diesem Wein von Weltklasse (92-94 Punkte).
Bei den Rotweinen zeigte der Simonsig Shiraz Auction Reserve 2004 die vielleicht beste Qualität. Er ist ein Wein im Neue Welt-Stil, aber erstklassig ausdefiniert mit einem fast explodierendem Mundgefühl, zu dem sich eine traumhafte Länge gesellt (94 Punkte). Doch auch der Waterford Auction Reserve Mediterranean Blend 2004 überzeugte durchweg: ein dunkler, tiefer und reicher Wein, der mit feinsten Tanninen und großem Potential gesegnet ist (91+ Punkte).
Trotz anständiger Qualität konnten einige Weine nicht vollends überzeugen. Dazu gehörte der Hartenberg Estate Dry Weisser Riesling Auction Reserve 2005 und der etwas unharmonische Overgaauw DC Classic 2004. Auch der Engelbrecht Els CWG 2004 konnte nicht ganz den hohen Ansprüchen gerecht werden. Dies mag auch daran liegen, mit welchen Hymnen Besitzer und Winzer dieses Weingutes die eigenen Weine anpreisen und zu welchen Preisen sie die regulären Füllungen verkaufen. Der Engelbrecht Els CWG 2004 verfügt zwar über eine reiche Frucht und feine Tannine, aber es fehlt ihm das Besondere.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich sämtliche Weine in hoher Qualität präsentierten. Im Vergleich zu einigen ersten Gewächsen der Alten Welt, wird der Käufer auf der CWG-Auktion diverse Schnäppchen machen können. Grobe Ausreißer nach oben oder nach unten ließen sich nicht finden, so dass vielmehr die persönliche Vorliebe entscheiden muss, bei welchen Weinen mitgeboten wird. Ein Dank gilt der deutschen Niederlassung von WoSA, die erstmals dem deutschen Publikum die Möglichkeit gab, solch hochwertige südafrikanische Weine in Deutschland verkosten zu können.
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Über den Autor
Helge Hagener ist selbstständiger Berater, Autor und Dozent für Wein. Er beschäftigt sich seit 12 Jahren intensiv mit den Weinen Südafrikas und studiert gegenwärtitg das "Diploma in Wines and Spirits" (Weinakademiker).
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