Weinernten
Die Weinernten in Südafrika zeigen nicht die großen Variationen wie in den Anbaugebieten der nördlichen Hemisphere (Frankreich oder Deutschland), da die Sommer normalerweise immer trocken und relativ heiß sind. Trotzdem sind Unterschiede zwischen den Jahren vorhanden, die bei Rotweinen eher Auswirkungen auf das Alterungspotential haben, bei Weißweinen eher auf die allgemeine Qualität. So können Hitzewellen den Weißen Geschmack und Frische nehmen.
Die Weinlese zieht sich zum Teil über drei Monate hin, wobei Wetteränderungen wie Hitzewellen oder Regenperioden auffallen können. Trotzdem minimiert die moderne Technik in Weinberg und Keller die Variationsmöglichkeiten. In Südafrika ist es z.B. bei Rotweinen eher eine Frage, wie oder ob die Reben vom Virus befallen sind - virusfreie Klone reifen einfach schneller und besser.
Ein typisches Beispiel dafür ist die Ernte 1996 mit Regenperioden: einige Güter brachten ihre Top-Weine wegen zu schlechter Qualität nicht auf den Markt, andere hingegen lieferten Erzeugnisse mit Kraft und Eleganz.
Weinernten
Ernte 2008
Die Wachstumssaison für die 2008er war ungewöhnlich feucht und kühl, was für die Winzer viel Arbeit im Weinberg bedeutete. Die Ernte begann spät, wodurch die physiologische Reife bei geringen Zuckerwerten erreicht wurde. Dadurch überzeugen sowohl die Rot- als auch die Weißweine eher durch geringen Alkohol und Eleganz.
Ernte 2007
Die Ernte begann mit hohen Temperaturen und endete mit kühlem Regenwetter. Aus diesem Grund sind die 2007er Weine von unterschiedlicher Qualität, je nachdem wann gelesen wurde. Dennoch zeigen sich die meisten Weißweine elegant und strukturiert. Die meisten Rotweine besitzen eine tiefe Farbe und eine hohe Fruchtkonzentration. Beste Ergebnisse beim Cabernet Sauvignon und Shiraz.
Ernte 2006
Ein für die südafrikanischen Winzer unproblematisches Jahr, in dem Weine von exzellenter Qualität produzieren werden konnten. Die Weißweine gehören qualitativ zu den besten seit Jahren. Besonders Chenin Blanc und Sauvignon Blanc zeigen sich vielversprechend. Die Rotweine präsentieren sich aromatisch mit feinen, zurückhaltendenden Tanninen und geringem Alkohol.
Ernte 2005
Ein schwieriges Jahr mit einem ungleichmäßigen klimatischen Ablauf. Auf einen sehr trockenen Winter folgte früh im Vegetationsverlauf starker Regen, was zu einem erhöhten Wachstum und diversen Krankheiten führte. Der Sommer war dann trocken und warm, wodurch früh und schnell gelesen werden musste. Die Rotweine zeigen sich konzentriert und alkoholisch, die Weißweine liegen qualitativ eher im Durchschnitt.
Ernte 2004
Der Klimaverlauf der Ernte 2004 war kühler als im Jahr zuvor. Der Fruchtansatz war ungleichmäßig und bereits früh setzen Hitzewellen ein. Die Reife der Trauben verzögerte sich aufgrund des kühleren Wetters im Herbst um einige Tage. Elegante Weine mit geringem Alkohol, die durch eine längere Lagerfähigkeit überzeugen können. Besonders viel versprechend zeigen sich Chardonnay, Shiraz und Merlot.
Ernte 2003
Das Jahr über herrschte ein stabiles und warmes Klima. Nur zum Ende der Saison gab es einige klimatische Probleme, so dass besonders spätreifende Rebsorten nicht in perfekter Qualität gelesen werden konnten. Generell jedoch mit erstklassigen Weinen. Sowohl die Rotweine als auch die Weißweine zeigen sich konzentriert und strukturiert.
Ernte 2002
Die schwierigste Ernte seit 30 Jahren mit verwirrenden Klimabedingungen während des gesamten Jahres. Das Jahr startete vielversprechend mit einem kühlen und nassen Winter, der den Reben einen erholsamen Ruhezustand ermöglichte. Doch dann traten Hitzewellen mit Temperaturen von weit über 30 Grad auf, gefolgt von intensiven Regenfällen, die die Weinberge zu einer wahren Brutstätte für Fäulnis und teilweise auch Botrytis machte. Außerdem mussten zahlreiche Winzer mit Mehltau kämpfen. Einige Winzer verloren so bis zu 100 Prozent ihrer Ernte. Die besten Resultate bei Weißweinen wird man vom Sauvignon Blanc erwarten können, gefolgt vom Chardonnay. In einigen Regionen kann auch mit sehr guten Botrytisweinen gerechnet werden. Bei den roten Sorten werden die besten Weine aus der Shiraztraube gekeltert, aber auch vom Merlot, wenn er zwischen den Hitzewellen geerntet werden konnte. Gute Ergebnisse brachte auch der Pinotage und virus-freier Cabernet Sauvignon. Dabei ist die Qualität der Weine selbst innerhalb der Produzenten sehr gemischt.
Ernte 2001
Der Sommer 2001 war einer der heißesten in Südafrika, mit einer Reihe von intensiven Hitzewellen zur Zeit der Ernte. Zahlreiche Rebsorten reiften gleichzeitig mit einem schnell ansteigenden Zuckerpegel. Der Winter vorher war relativ trocken, so dass es kaum Probleme mit Krankheiten gab, außerdem war die Erntemenge sehr reduziert. Bei den Roten entstanden exzellente Weine mit massiver Frucht und Kraft, die ein sehr gutes Alterungspotential haben. Bei den Weißweinen entstanden für die, die zwischen den Hitzewellen ernten konnten, hervorragende Weine mit viel großen Aromen, aber auch hohem Alkoholgehalt. 2001 war das besten Sauvignon-Blanc Jahr seit 15 Jahren.
Ernte 2000
Der dritte heiße Sommer in Folge nach einem eher warmen und trockenen Winter war ein schwieriges Jahr mit ungleichmäßiger Qualität durch uneinheitliches Wachstum. Zusätzlich zerstörte Feuer auf dem Simonsberg in Stellenbosch Ernteflächen. Nicht nur aus diesem Grund fiel die Ernte 2000 mit ca. 540 Mio. Litern eher kleiner aus. Die Rotweine zeigen sich kraftvoll mit toller Konzentration und Reife, viele Rotweine (besonders der Pinotage) zeigen eine massive Tanninstruktur und können lange Reifezeiten vertragen. Die Weißweine verloren durch die Hitze an Aromen, nur die größeren Weine aus Chardonnay oder Semillon liefern gute Ergebnisse. Generell ist 2000 kein Lagerjahrgang für Weißweine.
Ernte 1999
Ein trockener Winter und ein heißer Sommer brachten mit 595 Mio. Litern eine große Ernte, die besonders für die Rotweine fast perfekte Voraussetzungen mit sich brachte. Die Roten sind eher fett und alkoholisch mit attraktiver Saftigkeit, die Tannine eher weicher als 1998, dadurch aber auch eher trinkbar. Die Weißweine haben allgemein weniger Frucht und Konzentration. Von Chardonnay, Semillon und Chenin Blanc gibt es jedoch einige attraktive, fruchtige Weine.
Ernte 1998
Ein kühler und feuchter Winter, gefolgt von einer warmen Reifephase und Hitze während der Erntezeit ließ die Ernte mit ca. 540 Mio. Litern eher kleiner ausfallen. Kleine Beeren brachten weniger Saft mit höheren Tanninen. Die Rotweine sind groß, dunkel und robust mit intensiver Frucht und viel Tannin. Sie eignen sich gut für längere Lagerzeiten. Die Weißweine haben weniger Aromen und sind z.T. weniger lagerfähig als gedacht. Körperreiche Weine wie der Chardonnay sind im Allgemeinen gut.
Ernte 1997
1997 war eines der kühlsten und regenreichsten Jahre, was zu einer späten Ernte und Problemen mit Mehltau führte. Die Roten sind allgemein weniger lagerfähig, teilweise mit grünen Tanninen. Im Allgemeinen sind sie weich mit guter Frucht, elegant und früh trinkbar. Für die Weißweine war das Wetter günstiger. Es gibt einige exzellente und stilvolle Weine mit tollen Aromen, Finesse und Balance. Die Besten sind noch jetzt gut.
Ernte 1996
Durch die fast perfekten Konditionen bis Ende Januar gab es 1996 mit 575 Mio. Litern eine große Ernte. Der Regen während der Erntephase war eher ungünstig für die roten Sorten, besonders gut aber für die Entwicklung von Botrytis, also für einige Süßweine. Bei den Rotweinen gibt es daher nur wenige erstklassige Ergebnisse mit allgemein wenig Balance, Frucht und Konzentration. Die Weißweine sind vermutlich schon getrunken, es ist jedoch das wichtigste Jahr für Botrytis-Weine und die exzellenten Noble Late Harvest-Weine kommen langsam auf die Höhe.
Ernten 1990 bis 1995
Im Allgemeinen eher heiß als kühl, waren diese Ernten vorteilhaft für Rotweine mit dem besten Rotweinjahr 1991. 1992 war ein relativ kühles Jahr und brachte sehr gute Sauvigon Blancs, aber auch Pinotage hervor.
Ernten 1980 bis 1989
Gute Rotweinjahre waren 82, 84 und 86, besonders gut 1987 und 1989. Die ungeraden Jahre waren eher Weißweinjahre.
Ernten 1970 bis 1979
Auch hier waren im Allgemeinen die gerade Jahre wieder besser für Rotweine, die ungeraden eher Weißweinjahre. Das mit Abstand beste Jahr war 1974 - man wird wohl aber kaum noch einen Wein aus diesem Jahr finden.
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Über den Autor
Helge Hagener ist selbstständiger Berater, Autor und Dozent für Wein. Er beschäftigt sich seit 12 Jahren intensiv mit den Weinen Südafrikas und studiert gegenwärtitg das "Diploma in Wines and Spirits" (Weinakademiker).
Links
Weinconsulting Hagener: helgehagener.de
Hagener.de Weinblog: hagener.de
Twitter: twitter.com/helgehagener
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